Retrospektiven einführen und dranbleiben


DAS BRINGT`S

Wir sind es relativ gewohnt, die Ergebnisse unseres Tuns nach dem Erreichen eines Ziels oder Meilensteins kritisch zu beleuchten. “Lessons learned”, “Manöverkritik” oder Qualitätssicherung sind gängige Begriffe dafür. In diesen Betrachtungen dominiert vielfach der Blick auf die Sachebene, also die konkreten Ergebnisse und deren eventuelle Abweichung vom Soll.
Retrospektiven (Retros) sind auch ein Blick zurück, allerdings mit der Besonderheit, dass sie auf die Zusammenarbeit im Team, also die Kommunikation und Kooperation, im Laufe des Prozesses fokussieren. Retros dienen dazu, eure Zusammenarbeit zu verbessern, Emotionen Raum zu geben und schwelende Konflikte frühzeitig aufzudecken, bevor sie eskalieren.
Sofern ihr Retrospektiven nicht eh schon regelmäßig durchführt, empfehlen wir euch, jetzt damit zu starten. Die ereignisreichen „Corona-Monate“ und die hybride Zusammenarbeitsform in „neuen Normal“ bieten viel Potential, um regelmäßig zu analysieren, wie ihr eigentlich gerade unterwegs seid.  

SO GEHT´S

Retros sind Meetings von ca. 1-1,5 Stunden, die in einem festen Rhythmus stattfinden, z.B. alle vier Wochen. Alle Teammitglieder sollten dabei sein. Moderieren kannst du sie als Führungskraft, wenn du keine*n agile Coach*in im Team hast.

Für Retros geeignet sind z.B. die Methoden Starfish: 

und die Nutzung der Schiffsmetapher:

Ein Bild, das Raum, Uhr enthält.  Automatisch generierte Beschreibung

Beide Formate lassen sich sowohl in Präsenzmeetings als auch virtuell gut durchführen.
Im virtuellen Raum könnt ihr ein ein gemeinsames Whiteboard nutzen (wie z.B. bei Skype for Business) und malt dort den Stern auf. Nach einem kurzen Brainstorming kann jede*r Mitarbeiter*in sein/ihr Feedback dort eintragen.
Auch ohne gemeinsames Whiteboard könnt ihr die Methode benutzen – beispielsweise kannst du deinen Bildschirm über ein Video-Konferenz-Tool teilen und in Powerpoint den Starfish visualisieren. Sammelt für die einzelnen Fragestellungen die Antworten der Teammitglieder im Chat, also zum Beispiel: Was sollten wir aufhören zu tun? Gleiches gilt auch für die Schiffsmetapher: Was gibt deinem Team gerade Wind in die Segel, was bremst euch eher, wo seht ihr zukünftig Risiken auf euch zukommen und ist der Blick auf den Leuchtturm klar oder gibt es hier Kursänderungen?

DARAUF SOLLTEST DU ACHTEN

Gerade wenn du und dein Team noch nicht so an diese Methode der permanenten Feedbackschleifen gewohnt seid, hier noch einige hilfreiche Grundregeln der Retro:

·       Fokus auf Veränderbares

·       als Team zusammenrücken und gemeinsam Probleme lösen

·       Hindernisse transparent machen

·       Nicht zu viele, aber dafür konkrete Vorhaben zur Verbesserung vereinbaren

·      Die vereinbarten Vorhaben in den Folge-Retros reflektieren (kontinuierliche Verbesserung)

Und ein wichtiger Hinweis aus der Praxis: Dranbleiben! Auch wenn in den ersten Retros die Redebeiträge vielleicht nicht so hoch sind, oder der Mehrwert gerade bei eher introvertierten Mitarbeitern*innen nicht gleich offensichtlich ist. Für dich als Führungskraft ist es eines der wertvollsten Tools, um einen Rahmen zu bieten, auch Emotionales und Themen in der Zusammenarbeit besprechbar zu machen. Gehe mit gutem Beispiel voran, achte aber auch stets auf ein konstruktives Miteinander!